Stellungnahme des SoVD zur Diskussion um Kinderarmut

von | Apr 28, 2024

Stellungnahme an:

Schleswig-Holsteinischer Landtag
Frau Katja Rathje-Hoffmann
Vorsitzende des Sozialausschusses
Per E-Mail

Verfasst von:

  • Landesgeschäftsstelle Referat Sozialpolitik und Kommunikation
    Tel. 0431 65 95 94 – 24
    Fax 0431 65 95 94 – 95
    sozialpolitik@sovd-sh.de
  • Alfred Bornhalm, Landesvorsitzender
  • Kirsten Grundmann, Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses
  • Dr. Thorsten Harbeke, Referat Sozialpolitik und Kommunikation

Sehr geehrte Frau Rathje-Hoffmann, sehr geehrte Damen und Herren,
als größter Sozialverband in Schleswig-Holstein mit über 170.000 Mitgliedern bedanken wir uns für die Gelegenheit zu Stellungnahme. Das erschreckende Ausmaß der Kinderarmut in unserem Bundesland treibt uns ganz besonders um. Wir haben in den vergangenen Monaten leider den Eindruck gewinnen müssen, dass diesem Thema sowohl auf Bundes-, als auch auf Landesebene nicht die gebotene politische Aufmerksamkeit geschenkt wird. Mehr als ein Jahr ist es jetzt her, dass die Fraktionen des Schleswig-Holsteinischen Landtages mit den vorliegenden Anträgen das Thema Kinderarmut auf die Agenda gesetzt haben. Passiert ist seither: fast nichts! Deshalb hat unsere Stellungnahme zu den vorliegenden Anträgen vom 4. Juli 2023 weiterhin Gültigkeit. Am 21. Februar 2024 hat der SoVD Landesverband Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Kinderschutzbund, der AWO und dem DGB Nord vor dem Landeshaus für mehr Engagement gegen Kinderarmut demonstriert. Am 14. März wurde dann – weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit – der Kinderarmutsbericht der Landesregierung auf der Kinderarmutskonferenz präsentiert. Dabei ist das Problem und auch das Ausmaß der Kinderarmut in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein seit Jahren bekannt und wissenschaftlich erforscht. Was wir brauchen sind nicht weitere Zahlenwerke, sondern politische Konzepte zur Beseitigung dieses empörenden Missstandes.

Antrag der Fraktionen des SSW und der SPD, Drucksache 20/781 (neu)
Wir begrüßen weiterhin die in dem Antrag zum Ausdruck gebrachte Zielsetzung, die etwa 100.000 Kinder, die in Schleswig-Holstein in Armut aufwachsen müssen, aus dieser Armut zu befreien. Die Kernforderung hierzu, nämlich die Aufforderung an die Landesregierung, sich im Bund für die Einführung einer Kindergrundsicherung stark zu machen, ist mittlerweile einigermaßen obsolet geworden, da die vorliegenden Planungen zur Kindergrundsicherung auf Seiten der Bundesregierung aufgrund handwerklicher Fehler derart umstritten sind, dass mit einer Einführung in dieser Legislaturperiode kaum noch zu rechnen ist. Zwar teilen wir die Auffassung, dass familienpolitische Leistungen im Hinblick auf armutsgefährdete Kinder tatsächlich zu einer „Bringschuld des Staates“ werden müssen, allein die Bündelung von ansonsten in der Höhe nahezu unveränderten Leistungen wird nicht in nennenswertem Umfang Kinder aus der Armut befreien können. So, wie es bislang aussieht, wird sich trotz „Bündelung von Leistungen“ insbesondere für Bezieher*innen von Grundsicherungsleistungen auch kein vereinfachter Zugang zu diesen Leistungen ergeben. Aus diesen Gründen kann die Einführung der Kindergrundsicherung in der bislang vorliegenden Form allenfalls ein erster kleiner Schritt auf dem Weg zur Bekämpfung von Kinderarmut sein. Wir brauchen dringend eine echte Neuberechnung des kindlichen Existenzminimums.
Wir begrüßen das Ziel der Antragsstellerinnen, die frühkindliche Bildung in den Kindertageseinrichtungen des Landes zu verbessern und kostenfrei auszugestalten. Angesichts des dramatischen Fachkräftemangels in den Kindertagesstätten rückt dieses Ziel jedoch leider in weite Ferne.

Antrag der Fraktionen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen, Drucksache 20/875
Die erste Forderung des Antrages der Regierungsfraktionen, nämlich die Durchführung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Kinderarmutskonferenz, ist mittlerweile eingelöst. Am 14. März hat diese im kleinstmöglichen Rahmen und unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit tatsächlich stattgefunden. In unseren Augen trägt diese Veranstaltung sowie der dort präsentierte Kinderarmutsbericht kaum etwas zur konkreten Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Armut bei. Wir brauchen dringend auch in Schleswig-Holstein eine Sozialberichterstattung, die auch Lösungskonzepte beinhaltet. Wir begrüßen es weiterhin ausdrücklich, dass sich die Regierungsfraktionen mit ihrem Antrag hinter dem Ziel der Einführung einer Kindergrundsicherung durch die Bundesregierung versammeln, auch wenn wir weiterhin unsere Kritik an dem in dem Antrag enthaltenen Narrativ von vermeintlich faulen Eltern als Ursache von Kinderarmut aufrechterhalten. Nach einem Jahr Vorlauf seit dem Einbringen des vorliegenden Antrages hätten wir uns dezidierte Erkenntnisse zur Verbesserung der Effizienz von Bildungs- und Teilhabeleistungen gewünscht. Im Hinblick auf die dramatische Situation in der frühkindlichen Bildung und auch hinsichtlich der Kürzungspläne in der Sozial- und Jugendarbeit aufgrund der knappen Haushalte müssen wir das Engagement der Landesregierung in der Sozialpolitik stark in Zweifel ziehen.

Wir bedanken uns für die Gelegenheit zur Stellungnahme und verbleiben
mit freundlichen Grüßen

Alfred Bornhalm
Landesvorsitzender

Kirsten Grundmann
Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses

Dr. Thorsten Harbeke
Referat Sozialpolitik und Kommunikation

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Folgen und Teilen Sie uns:

Weitere Beiträge aus den Ortsverbänden:

Bericht vom Spargelbüfett

Am Sonntag, den 16. Juni 2024 fand wieder das beliebte Spargelbuffet des SoVD-Ortsverbandes Hohenaspe in der Gaststätte "Zur Dorfschmiede" in Ridders statt. Diesmal zur besten Mittagszeit. Mehr als 70 Personen hatten sich angemeldet. An liebevoll gedeckten Tischen im...

Zweigstelle des Pflegestützpunktes in Hohenaspe eingeweiht.

Anfang Juli konnte die Vorsitzende des SoVD OV Hohenaspe die Leiterin des "Pflegestützpunktes im Kreis Steinburg, Frau Ulrike Neumann, begrüßen.Frau Neumann berät einmal monatlich (montags von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr) individuell und kostenlos interessierte Mitglieder...

Reise in die Oberlausitz im Juni 2024

Eine 6-Tagesreise in die Oberlausitz im Juni 2024 unternahm der OV Wilster zusammen mit vielen Gästen. Vom Standpunkt Bautzen, unserem Hotel Best Western aus, wurden täglich Ausflüge unternommen.Die Sehenswürdigkeiten von Bautzen wurden besichtigt, u.a. das Rathaus,...

Rundbrief Juli & August 2024

Sommerzeit, schönste Zeit,Urlaubsfreude weit und breit,unter freiem Himmel grillen,in der Hängematte chillen,barfuß laufen am Ostseestrand,auf der Schulter Sonnenbrand,schauen, wie die Blumen sprießenund Hummeln den Nektar geniessen,Vögel zwitschern in Wald und...

Veranstaltungen 2024

Am Sonntag, dem 28.07.2024 findet wieder unser Grillfest in der Gaststätte „Café Schwarz” statt. Wir treffen uns ab 15°° Uhr und werden gegen 16°° Uhr mit dem Grillen anfangen. Unser neuer Vorstand wird vorgestellt und langjährige Mitglieder geehrt.28. Juli 2024ab...

Männerfrühstück

Am 26.05.2024 fand in Kellinghusen im Cafe "Bi uns to huus" unser zweites Männerfrühstück statt. Das reichhaltige Frühstücksbuffet war nicht nur lecker sondern auch sehr schön angerichtet. Es gab sogar eine Herrentorte. Die Männer ließen es sich schmecken und hatten...

Rundbrief Nr. 6/2024

Liebe Mitglieder, In Gärtnerkreisen wird der Juni auch als Rosenmonat bezeichnet, weil im Juni die meisten Rosen blühen. Der Monat Juni hat den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Am 20. Juni findet in diesem Jahr die Sommersonnenwende statt, dann erreicht die Sonne...

Neuer Vorstand ist gewählt

Auf unserer Mitgliederversammlung des Ortsverbandes Itzehoe-Mitte am 26.04.2024, konnten wir einen neuen Vorstand wählen.Wir gratulieren recht herzlich zu den neuen Aufgaben. 1. Vorsitzende Eva Fischer2. Vorsitzender Martin VogelSchatzmeister Gunter GrippStellvertr....

Zahlenquiz und Kuchenbuffet 🙂

Am 21.04.2024 fand im Gemeindehaus Hohenlockstedt unser beliebtes Zahlenquiz statt. Vorher gab es ein Kuchenbuffet mit selbstgebackenen Torten und Kuchen. Für die schöne maritime Deko sorgte Maren Schramm. Maren Schramm wurde für die 12-jährige Tätigkeit als...

3.000 Euro Inflationsausgleich auch für Rentner*innen! Jetzt!

Der soziale Frieden basiert auf Gerechtigkeit. Deshalb fordern wir von der Bundesregierung jetzt auch für Rentner*innen in diesem Land einen steuer-, abgaben- und anrechnungsfreien Inflationsausgleich von insgesamt 3.000 Euro! Rentner*innen dürfen in Deutschland nicht...